
Franz Schuh
Aus der Tradition der Wiener Moderne kommend, entfalten seine sprachlich und stilistisch virtuosen Texte einen Denkprozess, der alle Dimensionen des Lebens einschließt, das Körperliche und Philosophische, das Private und Öffentliche, die hohe und populäre Kunst, das Tragische und Komische der menschlichen Existenz. In Franz Schuhs Essays erscheint das Denken als poetische Haltung, als ästhetisches Ereignis, nie dogmatisch und stets getragen von fundamentaler Menschenfreundlichkeit.
© Foto: Isolde Ohlbaum
»Er hat sich nie vom Betrieb ausgeschlossen, nie aus ihm herausgenommen. Er hat sich aber nie diesem Betrieb angedient. Er hat das Kunststück geschafft, das wenige schaffen, er hat sich im Betrieb exzentrisch verhalten, als Außenseiter am Rand dieses Betriebs. Weil es ihm als einem der ganz wenigen gelang, sich nicht korrumpieren zu lassen. Das machte ihn für Laufbahnen unbrauchbar, für Positionen kam er als politisch unzuverlässig nie in Frage, und das wiederum erschwerte den Lebensunterhalt. (...) die Gesellschaft dieses Landes ist unfähig, von sich aus die Verdienste eines Menschen anzuerkennen. Sie erkennt nur, was ihr sich ihr aufdrängt, was ihr aufgedrängt wird. Durch Freunderlwesen, durch Haberertum, wie man das Gekungel bei uns nennt, neudeutsch sagt man Netzwerken, eine Fähigkeit, auf die kein heute erfolgreicher Mensch verzichten mag. Schuh hingegen hört dem Netzwerk weniger die Möglichkeit ab, damit fortzukommen, als die Gefahr, sich darin zu verstricken. Er ist der Antinetzwerker. Er ist, wenn überhaupt, ein Netzdurchlöcherer.«
»Für mich sind diese schönen Inszenierungen der Dauerkatastrophe nicht nur Selbsttäuschung und Verlogenheit, sondern auch eine unweigerliche Folge der Zwiespältigkeit der Moderne: Einerseits herrscht Fleiß und Industrie, anderseits Hoffnungslosigkeit, Leere und Fukushima, das man bald vergessen und vielleicht für eine interessante Art von Sushi oder Shashimi halten wird.«

»Hegel im November«
Dauer: 6:37 Minuten
© Foto: Isolde Ohlbaum
