1968:
Der Theaterkritiker Georg Hensel wird ausgezeichnet

Am 24. Mai 1968 kommt das Erweiterte Präsidium der Akademie zur »Büchner-Preis-Sitzung« zusammen. Der Vormittag ist ganz den Entscheidungsprozessen über den Büchner-Preis gewidmet, nach einer kurzen Mittagspause wird dann über den Freud-Preis und den Merck-Preis beraten. In den handschriftlichen Protokollnotizen ist erkennbar, dass sich die Runde zunächst noch einmal die bisherigen Preisträger in Erinnerung ruft: »Blöcker, (Mayer), W. Weber, Ruppel«. Mehrere Vorschläge werden kurz diskutiert, schließlich schlägt Karl Krolow den Theaterkritiker und Feuilletonredakteur des »Darmstädter Echo« Georg Hensel vor, der seit 1960 auch regelmäßig für »Theater heute« schreibt. Gerade war Hensels zweibändiges Standardwerk »Spielplan«»Spielplan - ein Schauspielführer von der Antike bis zur Gegenwart«, Frankfurt am Main (Propyläen) 1966. erschienen. Auch wenn Horst Rüdiger anmerkt, dass Hensels Wahl etwas von »Lokalpatriotismus« haben könne, fällt rasch die Entscheidung. Am 27. Mai schreibt der Generalsekretär Ernst Johann an Georg Hensel, der bereits zwei Tage später antwortet, er »nehme den Preis mit aufrichtigem Dank an«.

24. Mai 1968, Ernst-Ludwig-Haus in Darmstadt, S. 10
In seinem Brief hatte Ernst Johann am 27. Mai Georg Hensel darauf hingewiesen, dass er bei der Preisverleihung oder einer anderen Gelegenheit »während der Herbsttagung eine Ansprache halten« möge. Am 16. Juli wiederholt er diese Bitte noch einmal und weist darauf hin, dass die Entscheidung über die ›Gelegenheit‹ davon abhänge, ob der Büchner-Preisträger Golo Mann für seinen Teil der Preisverleihung einer Laudatio zustimmt oder diese ablehnt. Am 19. September kann Johann dann mitteilen: »Golo Mann hat uns in diesen Tagen endgültig wissen lassen, daß er auf eine Laudatio verzichtet. Deshalb können wir also, wie vorgesehen, Ihre Dankrede in das Programm der Büchner-Preisverleihung einbeziehen.« Damit wird erstmals von der bisherigen Praxis abgewichen, die Rede der Merck-Preisträger unabhängig von der Preisverleihung in das Tagungsprogramm einzubinden.

dass der Büchner-Preisträger Golo Mann auf eine Laudatio
verzichtet und so Hensels Dankrede in den Ablauf der
Preisverleihung aufgenommen werden kann.

dass ihm der Merck-Preis 1968 zuerkannt worden ist

»die Ehre, die mit diesem Akademie-Preis verbunden ist«

noch ist nicht klar, wann die Rede in das Programm
aufgenommen werden kann

dass er sich an die zeitlichen Vorgaben für die Rede
gehalten hat. Auf dem Brief notiert Ernst Johann den Titel
»Anmaßungen der Theaterkritik«.
Parallel zum Klärungsprozess, wann Georg Hensel seine Dankrede halten kann, wird der Text für die Urkunde vorbereitet, die ihm am 26. Oktober übergeben werden soll. Als Ende September entschieden ist, dass die Rede im Ablauf der Preisverleihung einen Platz finden kann, wird das Programm für die Tagung fertiggestellt und es beginnt ein Austausch zwischen dem Akademiesekretariat und dem Preisträger über seine persönlichen Gäste, die zur Verleihung eingeladen werden sollen.




der am 26. Oktober verliehenen Preise


Anlage mit der Liste der einzuladenden persönlichen Gäste

in »Theater heute«, 11/1968
© Der Theaterverlag – Friedrich Berlin GmbH

Dauer: 1:41 Minuten
Preisverleihung am 26. Oktober 1968 in der Otto-Berndt-Halle
© Foto: Pit Ludwig