1981:
Hilde Spiel


Die Erste!

Hilde Spiel
© akg-images / brandstaetter images / Franz Hubermann

Am 20. Februar 1979 schreibt Hilde Domin - »als Neuling«, kurz nachdem sie 1978 in die Akademie aufgenommen worden war - an Peter de Mendelssohn. Sie möchte mit ihrem Brief den bereits mündlich vorgebrachten Vorschlag »formalisieren«, »den Merckpreis 1979 an Dr. Hilde Spiel zu vergeben«. Es folgt eine ausführliche Begründung für diese Empfehlung, die, wie sie schreibt, auch von Eva Zeller unterstützt wird. Weitere Befürworter kämen sicherlich hinzu, »denn dass Hilde Spiel eine solche Ehrung verdient, ist schlechthin einleuchtend«. Eva Zeller bekräftigt ihrerseits am 26. Mai ihre Unterstützung für Hilde Spiel.

Hilde Domin schlägt Peter de Mendelssohn vor, den Merck-Preis 1979 an Hilde Spiel zu vergeben, 20. Februar 1979

1979 wird in der Sitzung der Vorschlag Hilde Spiel jedoch aus eher formalen Gründen zurückgestellt, vor allem möchte Peter de Mendelssohn eine Auszeichnung Hilde Spiels, mit der er lange verheiratet war, während seiner Präsidentschaft vermeiden - sonst könne die Akademie der Vorwurf der »Vetternwirtschaft« ereilen.

In der Sitzung des Erweiterten Präsidiums am 15. Juni 1981 kommt Peter de Mendelssohn gleich zu Beginn der Beratungen über den Merck-Preis wieder auf den Vorschlag Hilde Spiel zu sprechen. Er habe »vor zwei Jahren wegen möglicher privater Ungelegenheiten um Zurück­stellung der Kandidatur Hilde Spiels« gebeten. »Nach seiner unvermuteten Wiederwahl möchte er seine Bedenken gegen eine Auszeichnung Hilde Spiels beiseite schieben. Frau Spiel wird in diesem Herbst 70 Jahre alt, es erscheint ein neuer Essay-Band von ihr*»In meinem Garten schlendernd«, München 1981, so daß auch ein gewisser äußerer Rahmen gegeben sei.« Er wolle aber den Preis nicht selbst überreichen, das müsse einer der Vizepräsidenten übernehmen.

Sitzung des Erweiterten Präsidiums im Glückert-Haus, Darmstadt, Frühjahr 1981
(v. l.) Ernst Zinn, Eva Zeller, Ludwig Harig, Herbert Heckmann
© Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung

Alle Mitglieder des Erweiterten Präsidiums sprechen sich für Hilde Spiel aus. Dolf Sternberger, der »absolut dafür« ist, weist nur darauf hin, dass mit ihr zum dritten Mal »in kurzer Folge eine Mitarbeiterin der FAZ den Preis erhalte«, er stelle dieses Bedenken jedoch zurück. »Einstimmig und ohne Stimmenthaltung votiert das Gremium für die Prämierung.« Die Laudatio könne Eva Zeller übernehmen, wenn Hilde Spiel damit einverstanden sei. Eva Zeller wird dann auch, an Stelle des Präsidenten Peter de Mendelssohn, bei der Preisverleihung die Urkunde an Hilde Spiel übergeben.

Am 20. August wendet Gerhard Dette sich an Eva Zeller. Sie wisse vielleicht noch, »daß die Laudatoren uns auch dadurch helfen, daß sie einen Formulierungsvorschlag für den Urkundentext machen«. Sie möge sich die Sache doch bitte durch den Kopf gehen lassen und ihm möglichst bald einen solchen Vorschlag für Hilde Spiel zuschicken.

»Der doppelten Geringschätzung, die unsereine stets gewärtigen muß, als Ausüberin einer vorgeblich letztrangigen Gattung und als ein vorgeblich irrationales Wesen, eine Frau, wirkt die erstmalige Verleihung dieses Preises an eine Essayistin und Kritikerin auf das schönste entgegen.«

Hilde Spiel in ihrer Dankrede am 23. Oktober 1981
Eva Zeller in ihrer Laudatio auf Hilde Spiel
Dauer: 2:38 Minuten
© Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung
Hilde Spiel, Dankrede am 23. Oktober 1981, Ausschnitt
Dauer: 3:28 Minuten
© Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung
Hilde Spiel und ihre Laudatorin Eva Zeller bei der Preisverleihung am 23. Oktober 1981
© Foto: Christel M. Bauer