2007:
Günther Rühle

»entfernte Nähe«

© Foto: Isolde Ohlbaum

»Rühle erkannte an den avancierten szenischen Unternehmungen gegen Ende der sechziger und in den siebziger Jahren deren die politischen Veränderungen im Land antizipierenden Signale: Er hat diesen Kontext zwischen Ästhetik und Gesellschaft, zwischen der Kunst und dem Leben der Einzelnen nie außer acht gelas­sen. Die Verbindung ist ihm wichtig, bestimmend für die eine wie für die andere Seite. So sehr wurde der genaue Beobach­ter der Bühne und der Zeit durch seine entschiedene Einlassung selber zu einem Mittäter am Neuen, dass gesagt werden konnte, derart nachdrücklich habe Rühle dem Theater mit seinen Deutungen zuge­sprochen, dass es schließlich nicht mehr anders konnte als ihm Recht zu geben.«

Peter Iden in seiner Laudatio »Mittäter an dem Neuen«
Aus der Laudatio von Peter Iden
»Mittäter an dem Neuen«
Dauer: 1:51 Minuten
© Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung
Peter Iden, Laudator von Günther Rühle,
bei der Preisverleihung am 27. Oktober 2007
© Foto: Isolde Ohlbaum

»Viele verwirklichte Vorhaben, viele Stationen – und viel bewirkt. Mit Günther Rühle ehrt die Akademie einen Kritiker, dem die Flüchtigkeit des Theaters nicht dessen einzige Wahrheit ist. Das Theater ist ihm verpflichtet.«

»Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht den Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay 2007

Günther Rühle

der das deutsche Theater über Jahrzehnte mit Maßstäbe setzenden Kritiken, die aus Anschauung, Neugier und Kenntnis gewonnen waren, begleitet und mitgeformt hat und der in monumentalen Büchern zum Chronisten der Ereignisse und Menschen des Theaters in Deutschland geworden ist.«

Günther Rühle und Klaus Reichert
beim Verlesen des Urkundentexts
am 27. Oktober 2007
© Foto: Isolde Ohlbaum

»Wir im Damals, das Damals in uns: entfernte Nähe. Das Theater unserer Tage unterschlägt immer mutwilliger und selbstgefälliger das Vorzeigen dieser Dimension. Wir brauchten also eine Theaterkritik, die diese scharfe Kontur von Mensch und Zeit wieder einfordert. Und wir brauchten ein Theater, das die vergangene Zeit – unser aller Vorleben – nicht in den Klamotten und Marotten unserer bedeutenden, aber vom Theater nur schütter begriffenen und vorgeführten Gegenwart ertränkt.«

Günther Rühle in seiner Dankrede »Der Darmstädter Knoten«
Aus der Dankrede von Günther Rühle
»Der Darmstädter Knoten«
Dauer: 3:22 Minuten
© Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung
© Foto: Isolde Ohlbaum
Günther Rühle (Bad Soden)
Aus der Serie »Arbeitsplätze«, 2013/4
© Foto: Isolde Ohlbaum