2022: Niklas Maak
»Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht den Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay des Jahres 2022 an Niklas Maak, dessen kritische Essays und Bücher zur Architektur sich durch die Verbindung von eminentem kunst- und baugeschichtlichem Sachverstand mit Anschauungsintensität, stilistischer Eleganz und Sprachwitz auszeichnen. Sein feines Sensorium für die kulturelle, politische und lebensweltliche Einbindung von Architektur motiviert seinen Widerstand gegen die Entpolitisierung des Baudiskurses und schärft seinen Blick auf die Zusammenhänge zwischen den Bauten und denen, die sie bewohnen. Niklas Maak interessiert sich für die Hoffnungen und Sehnsüchte der Architekten und ihrer Auftraggeber, die sich in den Bauten verkörpernden utopischen Ideen und deren Scheitern, die Lebensentwürfe, die sich in ihnen verwirklicht haben und die an ihnen zerschellt sind. All dies lässt den Kritiker immer wieder zu einem glänzenden Erzähler von Architektur werden.«
Begründung der Jury
Niklas Maak erinnert in seiner Dankrede an
seine Begegnung mit Joachim Kaiser,
Merck-Preisträger im Jahr 1970
Dauer: 1:45 Minuten
© Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung
Ernst Osterkamp bei der Übergabe der Urkunde an Niklas Maak
© Foto: Isolde Ohlbaum

»Was den Essayisten und den Architekten vielleicht verbindet, ist das, was im Französischen durch das Wort essai, also Versuch, bezeichnet wird: der Versuch, eine Form für etwas zu finden, was bisher so noch nicht sagbar oder vorstellbar war.«

Niklas Maak in seiner Rede
Aus der Laudatio von Rem Koolhaas
© Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung

»Maaks Texte sind immer ansteckende Beschreibungen der realen Welt – Begeisterung ist seine Form des Fundamen­talismus. Gegen das digitale Aufrücken kämpft Maak für das Analoge.«

Rem Koolhaas in seiner Laudatio
© Foto rechts: Andreas Reeg

»Mir scheint, dass die sprachlichen Kategorien, in denen wir Städte, Plätze und Häuser beschreiben, denken und planen, die grundlegenden Wandlungen, zu denen es jetzt kommt, nicht fassen können. Das fängt mit dem Gegensatz von ›öffentlich‹ und ›privat‹ an. Was heißt das genau?«

Niklas Maak in seiner Dankrede
© Foto links: Isolde Ohlbaum
Aus der Dankrede von Niklas Maak
© Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung

»Tatsächlich sind viele der großen Fragen der Gegenwart ja Raumfragen und Fragen der gebauten Welt. Wenn vierzig Prozent aller klimaschädlichen Gase, also mehr als der Individualverkehr und der Flugverkehr zusammen, durch den Bau, Betrieb und den Abriss von Gebäuden entstehen, dann ist die Frage des Klimawandels eben auch eine Frage des Bauens – und einer Sprache, die es schaffen kann, mitreißend und klar und in der gebotenen Dringlichkeit über die paradoxe Situation zu sprechen, in der sich die Architektur heute befindet: dass nämlich aus ökologischen Gründen am besten für lange Zeit erst einmal gar nichts gebaut werden sollte, andererseits, um die Millionen von Menschen zu beherbergen, die in die Ballungsräume strömen, aber so viel wie nie zuvor gebaut werden muss – und gleichzeitig verhindert werden müsste, dass die Zentren unserer Städte zunehmend veröden und sich in ein begehbares Anlagedepot voller unbewohnter Luxuswohnungen verwandeln. Über all das muss öffentlich gestritten werden, für all das muss man eine Sprache finden.«

Aus der Dankrede von Niklas Maak
»Maak weiß mehr als jeder andere, den ich kenne. Spannend an Maaks Wissen ist, dass es keinen Unterschied zwischen Trivia und Wichtigem macht. Er ist die späte Verkörperung der Semiotik : Wenn alles ein Zeichen ist, dann entsteht Bedeutung durch die Art und Weise, wie das Zeichen interpretiert wird – und in Maaks Fall durch seine Intelligenz, die alles analysiert, in eine Reihenfolge bringt und dann präsentiert.«
Rem Koolhaas in seiner Laudatio
Niklas Maak und sein Laudator Rem Koolhaas
vor Beginn der Preisverleihung am 5. November 2022
© Foto: Isolde Ohlbaum