2009:
Harald Hartung
»ein Adept der modernen Poesie«
»Meine Damen und Herren: Für Harald Hartung ist die so verstandene und betriebene Lyrik längst zu einer Lebensform geworden. Von dieser redend, kann selbst er ausnahmsweise ein großes Wort gebrauchen. ›Ich suchte in Formen Halt – und fand in ihnen Freiheit.‹ Dieser prosaische Satz, gesagt in einer programmatischen Rede, klingt selber fast wie ein Vers. Und er kommt einem Bekenntnis wohl so nahe, wie das bei diesem sonst so diskreten und bekenntnisscheuen Dichter-Kritiker möglich ist. Was da mitschwingt, das haben alle Leser Hartungs in diesen Gedichten und Essays erfahren. Er selber hat es mit einem Wort Ludwig Greves resümiert, im Titel seines jüngsten Essaybandes: Ein Unterton von Glück.«
Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht den Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay 2009
Harald Hartung
dem kundigen und sensiblen Dolmetscher der Poesie, der aus der Nähe eigener Erfahrung als Lyriker wie aus der Distanz des Essayisten und Kritikers meisterhaft zeigt, wie sich über schwierigste Probleme der Dichtung so schreiben lässt, dass allen Lesern hörbar wird, was eines seiner Bücher im Titel führt: »Ein Unterton von Glück«.
»Wer bei diesem Geschäft des Sammelns und Scheidens mittut, mag sich auf etwas verschämte Weise als fromm empfinden. Er leuchtet nicht selbst, doch er sammelt Licht oder doch den Widerschein von Licht. Was in besonderen Momenten des Alltags und was vor allem in der Poesie aufleuchtet, hat James Joyce als ›profane Erleuchtung‹ bezeichnet. Er sagt: ›Die Seele des gewöhnlichsten Objekts scheint uns zu leuchten.‹ Das scheint wenig und ist doch viel. Der Kritiker, der Essayist, der Anthologist sucht nach den Epiphanien in Texten. Er ist dankbar, wenn er sie findet. Er ist dankbar, wenn er für etwas, das seinen Wert in sich selbst hat, auch noch gelobt wird.«
»Wo immer der Essayist Hartung über Poesie und Poetik schreibt, da entwickelt der Theoretiker Hartung aus der praktischen Anschauung seine Poetik, und da gibt der gleichnamige Dichter Einblick in seine lyrische Werkstatt.«

Aus der Serie »Arbeitsplätze«, 2013/4
© Foto: Isolde Ohlbaum


