2011:
Günter de Bruyn


eine historisch-ästhetische Landschaft erschließen

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht den Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay 2011

Günter de Bruyn

der mit seinen Essays und Studien zur Literatur- und Kulturgeschichte Berlins und Brandenburgs im 18. und 19. Jahrhundert mit großer Kennerschaft und kritischer Unbeirrbarkeit eine historisch-ästhetische Landschaft, die für die deutsche Geschichte von entscheidender Bedeutung ist, beispielhaft vermessen und für die Gegenwart neu erschlossen hat und der damit eine sprachkünstlerisch glanzvolle Epochendarstellung geschaffen hat, die sein großes erzählerisches Œuvre vollendet.
Urkundentext
© Foto: Isolde Ohlbaum

»Essays und Erzählungen von Günter de Bruyn zu lesen, das ist Sprachpflege, das ist vergegenwärtigte Erfahrung dessen, was der deutschen Sprache als humaner Ausdrucksreichtum möglich ist und was ihr verloren zu gehen droht.«

Wolfgang Thierse in seiner Laudatio am 29. Oktober 2011

»Seit dreieinhalb Jahrzehnten nun arbeitet de Bruyn ›doppelgleisig‹ (wie er es selbst nennt) — als Erzähler, aber eben auch als literaturhistorischer Rechercheur, als Literaturkritiker und Essayist, als Herausgeber und Kommentator, mithin als Kulturvermittler von Rang. Dabei erwarb er sich vor allem große Verdienste bei der Erkundung, Neubewertung und Vermittlung der preußischen Geschichte und Kultur — fernab jeder ideologisch begründeten Einfältigkeit, fernab jeder Verklärung.

Mehr

Seine sprachlich brillanten Studien und Essays zeichnen ein facettenreiches Bild des preußischen Staates, seiner Widersprüche, Wirren und Reformen — und seiner besten Traditionen: der Blüte der Künste und Wissenschaften und des Austauschs in den literarischen Salons.«

Wolfgang Thierse bei seiner Laudatio
© Foto: Isolde Ohlbaum

»Da ich später den Einfluss des Politischen und Sozialen auf die Literatur und das ganze geistige Leben in verschiedenen Variationen an mir selbst habe erfahren können, wurde mir deutlich, dass das Biographische einschließlich seines historischen Umfeldes zum wahren Verständnis eines literarischen Textes unerlässlich ist. Die Erkundung dieses Umfeldes verführte mich zum Biographieschreiben, und nachdem ich das an Jean Paul und anderen erprobt hatte, entstand die Idee zu den oben genannten zwei Büchern, in denen ich versucht habe, einen zeitlich und räumlich begrenzten Abschnitt deutscher, speziell preußischer Geschichte dadurch nacherlebbar zu machen, dass Biographien von Zeitgenossen wie Mosaiksteinchen so zusammengesetzt werden, dass sich ein lebendiges Gesamtbild daraus ergibt. Dazu gewählt wurde von mir der Zeitraum vom Tod Friedrichs des Großen bis zum Beginn der Restauration in Deutschland, zu dem auch die Glanzzeit deutscher Literaturentwicklung gehört. In ihm wurde unter dem Kanonendonner der napoleonischen Kriege ein neues Zeitalter eingeleitet, in dem vieles von dem, was uns noch heute beschäftigt, begann.«

Günter de Bruyn in seiner Dankrede;
Günter de Bruyn war erkrankt und konnte
an der Preisverleihung nicht teilnehmen, seine
Rede wurde von Klaus Reichert verlesen.
Günter de Bruyn (Görsdorf)
Aus der Serie »Arbeitsplätze«, 2013/4
© Foto: Isolde Ohlbaum